[Kla.TV:] Es ist großartig, James Corbett wieder bei kla.TV zu haben. James, vielen Dank, dass Sie sich zu einem weiteren Interview bereit erklärt haben! [James Corbett:] Vielen Dank für die Einladung. [Kla.TV:] Ich würde gerne James Corbetts Meinung zu Amerikas seltsamem Verhalten gegenüber dem Iran, Grönland, Venezuela, Kuba und Palästina hören. Ich weiß, das ist eine Menge. Wir könnten zwei Stunden darüber reden. Aber ich frage mich, ob Sie das alles kurz und bündig zusammenfassen könnten, um dieses Wahnsinnige, nun ja, sagen wir einfach, die Haltung der USA zusammenzufassen, oder ob Sie das Thema Punkt für Punkt durchgehen möchten? [James Corbett:] Lassen Sie uns sie in zwei Gruppen aufteilen. Ich würde sagen, dass der Iran und Palästina und das, was dort geschieht, definitiv miteinander in Verbindung stehen. Und der gemeinsame Faktor in der Haltung der USA in beiden Situationen ist natürlich Israel. Und ich denke, Israels Wunsch, den Iran als potenziellen, regionalen Rivalen zu untergraben, erklärt voll und ganz, warum die USA diese Haltung gegenüber dem Iran einnehmen. Glaubt irgendjemand auf der ganzen Welt, dass die US-Regierung daran beteiligt ist, das iranische Regime zu destabilisieren, weil sie sich um das iranische Volk sorgt und Demokratie gedeihen sehen will und bla, bla? Natürlich nicht. Wir sind alt genug, um zu verstehen, dass das absoluter Unsinn und Quatsch ist. Was ist also die wahre Antwort darauf? Nun, ich denke, es hat mehr mit der zionistischen Fraktion zu tun, die ein Groß-Israel schaffen will und erkennt, dass der Iran ein Bollwerk gegen die Schaffung eines solchen Staates wäre. Und natürlich mit der Hisbollah und anderen Gruppen, die gegen Israel und natürlich auch in Palästina operieren. Und inwieweit Trump nun tatsächlich der tüchtige Geschäftsmann ist, als den wir ihn öffentlich wahrnehmen sollen, inwieweit er vielleicht wirklich nur versucht, Trump-Gaza mit diesen Casinos am Strand zum Laufen zu bringen – und was auch immer sonst noch in diesen KI-Monster-Fantasien passieren soll, die von Trump-Fans online konstruiert werden –, inwieweit auch immer das in seinem Kopf eine Rolle spielen mag. Er ist nur deshalb dort, weil er natürlich tatsächlich mit seinem Freund, seinem Komplizen, dem buchstäblich nicht verurteilten Kriegsverbrecher Benjamin Netanjahu, zusammenarbeitet. Ich denke, das erklärt diese Seite des geopolitischen Spektrums. Aber wenn wir über die ‚Donroe-Doktrin‘ [Donroe-Doktrin = Anspielung auf die Monroe-Doktrin (von 1823) in Verbindung mit Donald Trump. Die Monroe Doktrin besagte, dass jeder Eingriff von außen in Nord-, Mittel und Südamerika eine Bedrohung für die USA sei. Sie entwickelte sich zu einer US-Vormachtstellung über beide Amerikanische Kontinente.] und ihre verschiedenen Auswirkungen auf Venezuela, Kuba, Grönland und andere Länder in der westlichen Hemisphäre sprechen, müssen wir dies meiner Meinung nach im Zusammenhang mit einer interessanten Karte betrachten, die man in der Cornell Library finden kann. Sie ist online in sehr hoher Auflösung verfügbar, falls Sie sie herunterladen möchten. Sie heißt „Technate of America” [zu Deutsch: „das Technat Amerika“]. Diese Karte wurde 1940 von Howard Scott erstellt, einem absoluten Scharlatan, der es irgendwie geschafft hatte, sich in den 1920er und 30er Jahren in akademische und hochrangige Kreise einzuschleichen, um etwas namens „Technocracy Inc.“ zu gründen, eine Organisation, die sich der sozialen Gestaltung der Gesellschaft durch Technokraten widmete. Hauptsächlich Ingenieure und Wissenschaftler, die genau wussten, wie man die In- und Outputs in der Wirtschaft ausgleicht, um die großen Schwankungen darin zu stoppen. Die waren natürlich das bestimmende Merkmal des Lebens der Menschen, die die Weltwirtschaftskrise durchlebten, und die sich fragten, wie sie dieses Problem angesichts eines gescheiterten Kapitalismus lösen könnten. Nun, da waren Howard Scott und sein Freund M. King Hubbert, der für die Hubbert-Kurve oder Peak-Oil-Theorie bekannt ist, ein Forscher bei Shell Oil, der sich mit Öl und so weiter beschäftigt hat. Jedenfalls kam er auf das Thema Peak Oil. Er schrieb auch den ‚Technocracy Study Course‘, einen umfangreichen Studienkurs darüber, wie die Technokraten über ihr Technat herrschen werden. So sagten sie: „Wir wollen keine Regierungen. Wir wollen keine gewählten Politiker. Wir wollen nichts davon. Wir werden eine Technokratie errichten.“ Und das Technat von Amerika wird, wie Sie auf einer Karte im Internet nachsehen können, auch Grönland umfassen. Interessanterweise umfasst es auch einen Teil Venezuelas, Kuba, Panama, Mittelamerika und so weiter. All dies wird zu einer einzigen Einheit namens „Technat von Amerika” zusammengefasst, die von diesen Technokraten verwaltet wird. Nun, offensichtlich gibt es Technocracy Inc. schon lange. Eigentlich existiert es immer noch, aber es ist derzeit nur noch ein Überbleibsel. Aber die Idee der Technokratie ist auch im 21. Jahrhundert noch aktuell. Und es gibt einige interessante historische Parallelen zu einigen Personen, die bis heute auf der internationalen Bühne präsent sind, wie beispielsweise Elon Musk, dessen kanadischer Großvater, tatsächlich ein Mitglied von Technocracy, Inc. in Saskatchewan in den 1930er Jahren war, bevor er aus Kanada vertrieben wurde und schließlich in Südafrika landete, wo die Familie Musk ihren Ursprung hat. Sein Großvater ist Joshua Haldeman. Schauen Sie das nach und überprüfen Sie meine Angaben! [Kla.TV:] Okay. [James Corbett:] Aber es ist wahr. Sein Großvater war ein echter Technokrat. Und dann twittert Elon Musk Dinge wie „Vorbereitungen für die Mars-Technokratie“ und so weiter. Ich denke also, dass Technokratie die Linse ist, durch die wir diese sich entwickelnde Donroe-Doktrin [Donroe-Doktrin = Anspielung auf die Monroe-Doktrin (von 1823) in Verbindung mit Donald Trump. Die Monroe Doktrin besagte, dass jeder Eingriff von Außen in Nord-, Mittel und Südamerika eine Bedrohung für die USA sei. Sie entwickelte sich zu einer US-Vormachtstellung über beide Amerikanische Kontinente.] verstehen müssen. Was sich daraus wirklich entwickeln wird, ist die Konsolidierung der westlichen Hemisphäre zu diesem Technat von Amerika. [Kla.TV:] Nun, diese Konsolidierung, ich meine, es ist einfach zu verrückt, sich vorzustellen, dass sie in naher Zukunft als Invasion dieser Länder stattfinden wird. Ich meine, man kann sich doch nicht vorstellen, dass in Grönland, Venezuela oder Kuba Truppen stationiert werden, oder? [James Corbett:] Nein. Ich möchte das relativieren. Nehmen wir das Beispiel Grönland. Das haben wir im Laufe des letzten Monats ganz klar gesehen. [Kla.TV:] Ja. [James Corbett:] Plötzlich ist es das Hauptthema der Diskussion am Weltwirtschaftsforum: Wird Trump in Grönland einmarschieren? Und dann redet die NATO davon, dort Truppen zu stationieren, und Kanada wollte Grönland zu Hilfe kommen – all dieser Wahnsinn. [Kla.TV:] Ja. [James Corbett:] Und dann kam es dazu, dass Trump verkündete: „Nun, wir werden es nicht mit Gewalt einnehmen.“ Und so schien es nur eine andere „Kunst des Deals“ zu sein. Trump bringt die Leute offensichtlich dazu, in eine Richtung zu denken und zu reden, und macht dann einen Rückzieher, damit es so aussieht, als könnten wir jetzt einen gemeinsamen Deal abschließen. Aber all das war natürlich nur Ablenkung, denn tatsächlich haben die USA bereits jetzt eine Militärbasis in Grönland, die in Betrieb ist und funktioniert. Seit dem Zweiten Weltkrieg besteht eine langjährige Vereinbarung mit Dänemark, amerikanische Streitkräfte in Grönland zu stationieren, die dort seit über einem halben Jahrhundert, also seit etwa 80 Jahren, im Einsatz sind. Die Vorstellung, dass es jemals einer vollständigen amerikanischen Invasion bedürfe, um diese Dinge zu verwirklichen, erscheint also abstrus, aber vielleicht ist genau das der Punkt. Nein, die militärische Seite ist nicht der operative Teil davon. Es geht in gewisser Weise um die Sicherung von Ressourcen, darunter natürlich die Vorkommen von seltenen Erden und anderen Dingen, die Grönland offensichtlich im Überfluss besitzt, und die in diesem neuen, geopolitisch motivierten Wettlauf um die Arktis nur darauf warten, abgebaut zu werden. Genauer gesagt geht es jedoch um die Sicherung der Ressourcen für das Technat von Amerika, also für die politische Konsolidierungseinheit, die sich derzeit abzeichnet. Und ich denke, wir werden schon seit einiger Zeit auf die Konsolidierung dieser größeren geopolitischen regionalen Einheiten vorbereitet, denn wir beobachten seit einiger Zeit eine Art multipolaren Kampf zwischen der NATO und den BRICS-Staaten auf dem großen Schachbrett der Geopolitik. Ich denke, wir wurden auf die Idee vorbereitet, dass es zu einer Art Konsolidierung eines nordamerikanischen bzw. westlichen hemisphärischen, kontinentalen, regionalen Sicherheitsapparats kommen wird. Wird es buchstäblich eine Regierung sein, die all dies mit Truppen vor Ort konsolidieren wird? Ich glaube nicht, dass dies der wahrscheinlichste Weg ist. Aber eine Art Konsolidierung in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht sowie in Bezug auf Versorgungslinien und Lieferketten, was wahrscheinlich der entscheidende Faktor für die Entwicklung im 21. Jahrhundert sein wird. [Kla.TV:] Ich möchte dieser Frage eine Vorfrage voranstellen, und zwar folgende: Betrachten Sie die beiden Kriege im Irak und die Zwischenzeit, als Präsident Clinton in den Vereinigten Staaten an der Macht war und wir noch ein Wirtschaftsembargo gegen den Irak hatten. Wir hatten immer noch eine Flugverbotszone. Ich glaube, wir haben sie immer noch bombardiert. Sicherlich haben wir viele Arten von Lieferungen blockiert, darunter, soweit ich weiß, Medikamente und Lebensmittel. Könnten Sie also sagen, dass diese Zwischenzeit einfach eine Fortsetzung des Krieges war und der Krieg eigentlich gar nicht beendet war? [James Corbett:] Auf jeden Fall, ja. Nein, natürlich nahm der Krieg nur eine andere Form an. Und er konzentrierte sich damals natürlich auf die Zivilbevölkerung. Und das war tatsächlich bekannt und beabsichtigt. Denn natürlich gibt es diesen berüchtigten Ausschnitt von Madeleine Albright aus den 1990er Jahren in der Sendung „60 Minuten“, in dem sie über die halbe Million irakischer Kinder spricht, die infolge der Sanktionen gestorben sind. [Kla.TV:] Ja. [James Corbett:] Und sie sagte: „Nun, wissen Sie, der Preis ist es wert.“ Das ist natürlich der berüchtigte Clip, den die Leute hoffentlich inzwischen gesehen haben. Also ja, das war einfach Krieg mit anderen Mitteln. [Kla.TV:] Kriegsführung mit anderen Mitteln. Wenn wir also wirtschaftliche Würgegriffe als Krieg betrachten und dann den Fall von Venezuela und Kuba. Und die Tatsache, dass ich einfach den Öltanker auflisten könnte, der von Venezuela nach Kuba unterwegs war. Ein Land, das ohnehin in einer schwierigen Lage ist. Und ich denke, für sie könnte der Ausfall eines Öltankers ziemlich bedeutend sein. Sind wir also in dem Sinne, dass wir diese Länder wirtschaftlich strangulieren, mit Venezuela und Kuba im Krieg? Befindet sich die USA derzeit im Krieg mit Venezuela und Kuba? [James Corbett:] Ich nehme an, dass in den letzten Monaten eindeutig ein Kriegszustand mit Venezuela herrschte. Vielleicht besteht dieser Kriegszustand nicht mehr, einfach weil Amerika offenbar sein Ziel erreicht hat; die derzeitige venezolanische Regierung nach Belieben lenken zu können. Insofern, als die venezolanische Regierung nun den amerikanischen Vorgaben nachkommt, nehme ich an, dass kein Kriegszustand herrscht. Aber die Gefahr eines Krieges besteht natürlich durchaus. Und ja, es gibt immer noch Elemente einer Wirtschaftsblockade, aber ich denke, dass dies nur eine Positionierung ist, um die amerikanischen Unternehmensinteressen dort zu etablieren, um im Wesentlichen die Ölindustrie usw. dort übernehmen zu können. Wir haben natürlich bereits gesehen, dass dies ausdrücklich als Grund für die Übernahme Venezuelas genannt wurde. Ich glaube nicht, dass das die ganze Geschichte ist, aber auf jeden Fall hat dies dazu beigetragen. Solange die derzeitige venezolanische Regierung den Forderungen der USA nachkommt, ist Amerika meiner Meinung nach froh, nicht in diesen Krieg verwickelt zu sein. [Kla.TV:] Ja. Glauben Sie, dass diese Unternehmensinteressen auch in Kuba Erfolg haben werden? Glauben Sie, dass das kubanische Volk bald in den Genuss von McDonald‘s, BlackRock und all den anderen Dingen kommen wird, die wir in den Vereinigten Staaten genießen? [James Corbett:] Wenn die derzeitige Regierung sich durchsetzt, scheint es, als würde sich die Lage genau in diese Richtung entwickeln. Und wenn sie ihren Willen nicht durchsetzen kann, zumindest nicht in der von ihr gewünschten Weise, könnte es zu einer Art spontanem Volksaufstand kommen, wenn die Menschen aufgrund dieser strangulierenden Blockaden, die letztlich ihre politische Wirkung entfalten, beginnen, sich gegen ihre Regierung zu erheben. Wenn das nicht geschieht, dann haben wir bereits gesehen, dass es üblich ist, dass der US-Präsident das Navy SEAL Team 6 [Eliteeinheit der US-Marine] oder wen auch immer entsendet, um diejenigen zu entführen, die heute behaupten, an der Macht zu sein, und alles andere tut, was getan werden muss. Können wir überhaupt sagen, dass irgendetwas ausgeschlossen wäre? Nein, natürlich nicht. Ich denke, alles, was wir bereits gesehen haben, wie zum Beispiel in Venezuela, ist für Kuba durchaus denkbar. [Kla.TV:] Okay, okay. Nun, James Corbett, vielen Dank! Ich wünsche Ihnen alles Gute! Und bitte kommen Sie irgendwann wieder. [James Corbett:] Vielen Dank für die Einladung bei Kla.TV!
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02.03.2026 | www.kla.tv/40493
[Vanessa Beeley] Und wenn man sich Netanyahus Reden der letzten zehn Jahre ansieht, dann hat er tatsächlich zu einem Regimewechsel im Iran aufgerufen. Er sagte den Iranern: „Wenn ihr das Regime stürzt, werden wir die Sanktionen aufheben. Wir helfen euch bei der Entwicklung. Wir tun XYZ, um euer Leben so viel besser zu machen, weil euer Regime nicht mehr all dieses Geld für Kriege im Ausland ausgeben wird.“ Moment mal, ist Israel nicht wahrscheinlich die kriegerischste Instanz in dieser ganzen Region, die seit ihrer Gründung die gesamte Region in einem Zustand des Krieges, des Chaos und der Destabilisierung gehalten hat? Richtig, aber all das wird auf den Iran projiziert. [Kla.TV] Ja, wissen Sie, man hört das Wort Regimewechsel aus dem Mund der US-Regierung: „Wir brauchen einen Regimewechsel im Iran.“ Ist Syrien nicht ein Beispiel dafür? Ich meine, das sollte doch das Argument für Friedensliebhaber wie Sie und mich sein. Das Argument lautet: Hier sieht man das Ergebnis eines Regimewechsels, nicht wahr? Verweisen Sie einfach auf Syrien, bevor wir in den Iran einmarschieren. Kla.TV strahlt für Sie dieses höchst brisante Interview am Samstag, den 7. März aus. Dieses spannende Interview mit Vanessa Beeley sollten Sie nicht verpassen. Kla.TV steht für Frieden und Wahrheit ein, unser gemeinsames Gut.
von doa.